Silvester – was tun?

Monica Pertzsch
01 Dezember 2020

Alle Jahre wieder: Der Jahreswechsel ist für uns Menschen meist eine schöne Zeit. Für unsere Hunde ist diese Zeit aber oft ein Alptraum.

Viele von ihnen haben Probleme mit der Knallerei und zeigen deutliche Stress- oder Angstsymptome wie zum Beispiel:

  • Zurückgezogene oder angelegte Ohren
  • Zurückgezogene Gesichtsmuskulatur
  • Geduckte Haltung, Rundrücken mit geringer Körperspannung
  • Eine tiefgetragene oder eingezogene Rute
  • Beschwichtigungssignale wie Blick- oder Körper abwenden
  • Sich über das Maul lecken
  • Versteinertes Stehen oder Liegen
  • Ausweichen oder Verstecken
  • Erhöhte Schreckhaftigkeit
  • Hecheln
  • Geweitete Pupillen
  • Erhöhter Puls und Herzrasen
  • Durchfall, Erbrechen oder vermehrtes Speicheln
  • Jaulen, Winseln, Knurren, Bellen, Heulen bis hin zum Schreien
  • Futteraufnahme verweigern
  • Aggressives Verhalten

Zeigt der Hund Angst- oder Stresssymptome, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, ihm bei der Bewältigung seiner Angst zu helfen. Auf keinen Fall sollten Hunde alleine gelassen oder mit auf die Straße genommen werden. Gehen Sie, bevor das große Knallen beginnt, eine ihm vertraute Gassirunde und halten Sie ihn dabei bitte unbedingt an der Leine- eventuell sogar doppelt gesichert durch Brustgeschirr und Halsband. Zu groß ist das Risiko, dass der Hund sich durch einen plötzlichen Knall erschreckt und wegläuft.

Geben Sie ihm an diesem Tag nur eine kleine Menge Futter, vielleicht sogar etwas Schonkost, wie gekochtes Hühnchen mit Reis. Das entlastet den Magen- Darm- Trakt und beugt eventuell Durchfall und Erbrechen vor. Versuchen Sie, Ihren Hund Zuhause mit Nasenarbeit, wie suchen nach seinem Futter im Futterdummy, oder nach seinem Spielzeug, abzulenken. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und signalisieren Sie ihm: „Ich habe das Knallen auch gehört, aber es droht keine Gefahr. Lass uns Spaß haben“. Das Gehirn kann nicht gleichzeitig logisch denken und emotional reagieren. Falls der Hund sich nicht auf dieses Angebot einlassen kann, bieten Sie ihm eine geschützte Rückzugsmöglichkeit zum Liegen an. Das kann auch gerne Ihr Bett sein. Auch das Einwickeln oder Zudecken des Hundes kann helfen, ihm etwas Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Wenn möglich, sollten in dem Raum keine Fenster sein oder diese fest verschlossen, die Rollos runtergelassen und Gardinen zugezogen sein. Lassen Sie beruhigende Musik laufen und geben Sie ihm Kauartikel oder ein gefüllten Kong, denn das Kauen und Lecken beruhigt den Hund.

Wenn der Hund Ihre Nähe sucht, dann bieten Sie ihm Zuwendung und den Schutz durch Körperkontakt an. Trösten Sie ihn nicht oder versuchen ihn zu beruhigen, sondern verhalten Sie sich ruhig und entspannt. Sie können dabei ein Buch lesen oder fernsehen, wichtig ist, dass Sie sich verhalten wie an jedem anderen Tag auch. Zu viel Zuwendung durch Ansprache, Beobachten oder Streicheln kann seine Angst verstärken.

Medikamente

Bei besonders ängstlichen Hunden besteht auch die Möglichkeit, mit Medikamenten unterstützend zu den bereits genannten Maßnahmen zu arbeiten.

Als kurzfristige Lösung können Medikamente eingesetzt werden, die das Tier schläfrig und weniger empfindlich für Geräusche machen. Beispiele hierfür sind Diazepam und Alprazolam, die ausschließlich auf Rezept beim Tierarzt erhältlich sind. Da dies allerdings keine langfristige Lösung des Problems darstellt, eignen sich solche Mittel auch nicht für Haustiere, die regelmäßig Angst vor Verkehrslärm oder lauter Musik haben. In solchen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel oder regulierende Medikamente eine geeignete Unterstützung für eine Verhaltenstherapie sein. Mittel mit dem Inhaltsstoff L-Tryptophan (eine Aminosäure, die auch in Futter vorkommt) und B-Vitaminen können Hunde beruhigen. Zudem sind auf dem Markt Medikamente mit L-Theanin erhältlich, welches u.a. Bestandteil von grünem Tee ist und einen beruhigenden Effekt hat. Auch Pheromone werden bereits einige Zeit erfolgreich zur Behandlung von gestressten und ängstlichen Tieren eingesetzt (Feliway und Adaptil). Bei rechtzeitiger Verabreichung, mindestens 3 Wochen vor Silvester, hat sich eine Therapie mit Bachblüten oder Globoli in vielen Fällen als hilfreich erwiesen. Die Mischungen und Zusammensetzungen müssen von einem Tierarzt oder Heilpraktiker speziell und individuell für den Hund abgestimmt werden.

Auf gar keinen Fall dürfen Medikamente eingesetzt werden, die den Hund sedieren/ ruhigstellen! Viele dieser Medikamente erhöhen sogar noch die Geräuschempfindlichkeit. Sie stellen nur den Körper des Hundes ruhig, bzw. lähmen diesen und der Hund ist gefangen im eigenen Körper durch Bewegungsunfähigkeit. Alle äußeren Reize kann er noch bei vollem Bewusstsein wahrnehmen, dies verstärkt die Angst und der Hund wird dadurch panisch. Wenn Sie solche Mittel einsetzen möchten, sollten Sie dies aber erst mit Ihrem Tierarzt besprechen, denn einige der Medikamente lassen sich nicht frei mit allen anderen Mitteln kombinieren!

Eine weitere Möglichkeit zur Beruhigung Ihres Hundes bietet das sogenannte Thundershirt. Dies ist ein Shirt aus festem Sweatshirtstoff und 10 % Spandex. Mit Klettverschlüssen kann dieses fest am Hundekörper befestigt werden. Durch den speziellen Schnitt übt das Shirt auf die Brust und den Mittelkörper des Hundes einen sanften und kontinuierlichen Druck aus. Für die meisten Hunde hat dies eine beruhigende Wirkung. Entspannungsmassagen und spezielle Berührungen, sogenanntes Telligton Touch, wirken ähnlich, müssen aber bei Fachläuten erlernt werden und vorab geübt und trainiert werden.

Ist Silvester dann überstanden, gilt der Satz: „Nach Silvester ist vor Silvester“. Das bedeutet, man muss unmittelbar nach Silvester mit einem gezielten Training zur Desensibilisierung auf Geräusche mit dem Hund beginnen. Es besteht u.a. aus dem Einsatz von Geräusch – CDs und dem Aufbau eines beziehungs- und bindungsfördernden Trainings zwischen dem Halter und seinem Hund, bei dem dieser ein Alternativverhalten zum Stress- oder Angstverhalten erlernt.

So können Mensch und Hund dem nächsten Jahreswechsel gelassener entgegenblicken.

Tipp: Jeden Montag bieten wir die Gruppenstunde „Training im Dunkeln“ an, in der wir jetzt speziell Silvestertraining durchführen. Hier können Sie sich anmelden: Silvestertraining

Alternativ kann Ihr Hund gerne in den Tagen zu uns in die Betreuung, denn bei uns ist es sehr ruhig.

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